Zu den meisten Bildern des Archivs besitzt ORTHOCHROME keinerlei Informationen über die FotografInnen. Aus diesem Umstand heraus, ordnet und kategorisiert ORTHOCHROME die Aufnahmen nach wiederkehrenden Motiven und formalen Kriterien. Auffällig im Prozess des Systematisierens ist, dass in der Mehrzahl der Aufnahmen, der/die AutorIn selbst nicht im Bild zu sehen ist, obwohl mit diesen privaten Fotografien das alltägliche Leben ebendieser Person dokumentiert werden sollte.

 

Diese Ambivalenz zwischen gleichzeitiger An- und Abwesenheit der Fotografierenden wird zum inhaltlichen Ausgangspunkt der Ausstellung „MOTIV – FOTOGRAF (INNEN)“ von ORTHOCHROME im EIKON Schaufenster. Doch nicht immer bleibt der/die AutorIn außerhalb der Fotografie: Im Archiv von ORTHOCHROME finden sich vereinzelt auch Ausnahmen, in denen der/die FotografIn ins Bild gesetzt wird – sei es als Selbstportrait, als bewusste oder unbeabsichtigte Spiegelung oder als Schattenwurf. Diesen Bildern von FotografInnen wird eine Auswahl von vordergründig belanglos erscheinenden Standardmotiven gegenübergestellt, deren AutorInnen unbekannt sind. Die Auswahl der Aufnahmen steht in der Ausstellung als pars pro toto für das Archiv von ORTHOMCHROME, immer wiederkehrende Motive ohne ostentativen persönlichen Bezug werden (mitunter zufälligen) Zeugnissen von Individualität gegenübergestellt.